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Ausbildung mit Kind: So schaffen junge Eltern den Berufseinstieg

zyndfunken – der Podcast

von zynd-Redaktion
zyndfunken Cover Folge 7
Baby da – Alltag steht Kopf? Plötzlich geht's um Kinderbetreuung, Schlafmangel, Geldsorgen und ganz viel Verantwortung. Und irgendwo dazwischen soll noch Zeit für die eigene berufliche Zukunft sein? In dieser Folge zyndfunken erfährst du von zwei Expertinnen, welche Herausforderungen junge Eltern meistern – und welche Unterstützung ihnen dabei helfen kann.
zyndfunken Cover Folge 7 Ausbildung mit Kind

Jung Mutter oder Vater zu werden wirbelt erstmal alles durcheinander. Gleichzeitig noch eine Ausbildung zu machen? Klingt fast unmöglich. Mit der richtigen Unterstützung kann der berufliche Weg trotzdem weitergehen. Wie? Das erklären die beiden Expertinnen Anja Stahl und Melanie Koll in der zyndfunken-Folge 7. 

 

18. August 2026

00:00:00:09 - 00:00:21:00

Melanie: Die haben eigentlich genau diese Schlüsselqualifikationen, die die Betriebe gerne hätten Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Organisationstalent, Planungssicherheit.

 

00:00:21:02 - 00:01:30:18

Luca: zyndfunken, der Podcast für den Weg zu deinem Traumberuf. Wir sprechen mit spannenden Gästen über ihre Geschichten, Hochs und Tiefs. Wir stellen Fragen und geben dir die Antworten. Auslandsaufenthalte, eine Ausbildung mit Beeinträchtigungen, Studienabbrüche. Diese und weitere Themen, die beim Übergang in Ausbildung und Beruf eine Rolle spielen können, tauchen hier auf. 

Hi und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von zyndfunken. Heute sprechen wir über ein Thema, das viele auch ganz plötzlich treffen kann, nämlich wenn man jung, Vater oder Mutter wird. Also eine frühe Elternschaft. Ist dann noch Zeit für eine Ausbildung und die berufliche Entwicklung? Ja, das sagen unsere heutigen Gäste. Zwei Frauen, die das wissen müssen. Denn Anja Stahl von der G.I.B. NRW, also von der Gesellschaft für Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik, ist bei uns und Melanie Koll. Sie ist von der Gesellschaft für Beschäftigungsförderung. Und mit beiden sprechen wir heute über dieses Thema. Sie beraten nämlich junge Eltern auf ihrem Weg in eine Ausbildung. Wir wollen darüber sprechen, wie das konkret aussehen kann. Was würdest du sagen, verändert sich denn, wenn man mit 18, 19, Anfang 20, vielleicht sogar etwas früher plötzlich Verantwortung für ein Kind hat?

 

00:01:32:00 - 00:02:26:08

Melanie: Zuerst ist es ja oft so, dass man sich überhaupt erst mal in die Rolle als junges Elternteil einfinden muss. Und ja, man lernt sich eigentlich erst mal kennen. Sich und das Kind, die Bedürfnisse der Kinder. Und in der ersten Zeit hat man, glaube ich, auch den Fokus sehr auf die Bedürfnisse des Kindes. Und je älter die Kinder dann werden, umso mehr ist es dann, dass sie auch irgendwo eingebunden sind. Vielleicht geht das Kind dann schon zu einer Tagesmutter oder in eine Kita.

Bestenfalls sind vielleicht auch Eltern und Großeltern noch mit in der Lage, das Kind aufzupassen. Und dann merken eben die jungen Eltern, dass sie sich eben auch jetzt wieder ihrem eigenen Leben widmen können und an ihrer beruflichen Zukunft arbeiten können. 

 

00:02:19:17 - 00:02:26:08

Luca: Du hast ja jetzt den Verlauf schon so ein bisschen dargestellt. Am Anfang kann ich mir vorstellen, das muss doch für viele echt überfordernd sein, oder?

 

00:02:26:10 - 00:03:00:06

Melanie: Es gibt sicher einige, die schon sehr gut wissen, was da auf sie zukommt und vielleicht auch mit den Veränderungen sehr gut umgehen können. Es wird aber auch viele geben, die erst mal überhaupt gar nicht wissen Geht das eigentlich alles zusammen? Familie und Beruf? Und wie funktioniert es überhaupt? Und da ist es eben ganz gut, dass es da auch Anlaufstellen gibt, an die man sich wenden kann, um da erst mal Unterstützung bekommen. Vielleicht so in das erste Chaos, was man selber im Kopf hat, dann ein bisschen Klarheit zu bringen.

 

00:03:21:07 - 00:03:41:21

Luca: Über diese Anlaufstellen sprechen wir später auch noch mal ein bisschen ausführlicher, damit ihr, die uns jetzt zuhören, auch wisst, solltet ihr mal in so eine Situation kommen oder vielleicht schon drin sein, an wen ihr euch entsprechend wenden könnt. Nachdem wir mit Melanie Koll jetzt auch schon mal über die erste Überforderung gesprochen haben und schon erste Wege zur Unterstützung skizzieren konnten, sprechen wir jetzt mit Anja Stahl. Die ist bei der Gestaltung, Innovation, Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH, also der G.I.B. NRW in Nordrhein-Westfalen. Sie kann mit uns den Blick über den Tellerrand hinauswagen und uns so ein bisschen erzählen, was sind denn so die großen Linien? Was beschäftigt junge Eltern denn so hauptsächlich? Anja gib uns doch mal einen Überblick. Was sind da die Themen.

 

00:03:41:21 - 00:04:27:08

Anja: Elternschaft und Ausbildung unter einen Hut zu bringen ist eine herausfordernde Situation, weil wo viele junge Menschen, die sich eine Ausbildung suchen, ja vor der Frage stehen vor allem welchen Beruf möchte ich wählen? Welchen Betrieb ist welcher Betrieb ist da interessant für mich? Da ist für Eltern ja, kommt die große Frage hinzu Wie kann ich denn die Kinderbetreuung vor allem und Ausbildung unter einen Hut bekommen?

Also ganz konkret wie lange hat denn eigentlich meine Kita geöffnet? Und wie sind denn die Arbeitszeiten oder die Schulzeiten während der Ausbildung? Und ja, das ist eine große Frage, vor der viele Eltern stehen, die eine Ausbildung suchen.

 

00:04:27:10 - 00:04:42:01

Luca: Also das eine ist so das Individuelle, vielleicht eine Überforderungsgefühl. Nicht so ganz wissen, was kommt auf einen zu und das andere sind auch, wie du schon beschreibst, organisatorische Fragen, die natürlich damit einhergehen. Wie ist denn der Stand zum Beispiel bei den Kitazeiten gerade?

 

00:04:42:03 - 00:05:46:24

Anja: Das ist natürlich sehr unterschiedlich und individuell. Auch die Kommunen sind da unterschiedlich aufgestellt. Es ist leider ja immer noch so, dass nicht immer ein Kitaplatz, vor allem vielleicht auch wohnortnah zur Verfügung steht. Da ist noch Luft nach oben, auch wenn sich schon viel getan hat. Es lohnt sich da auch so ein bisschen vielleicht Ausschau zu halten. Es gibt durchaus auch Kitas, die längere Öffnungszeiten haben oder vielleicht auch schon früher beginnen, was für junge Auszubildende vielleicht aber auch wichtig ist im Blick zu haben: Wie sieht denn mein sonstiges Netzwerk aus?

Habe ich einen Partner oder eine Partnerin, die mit unterstützt, wenn es darum geht, ein Kind in die Kita zu bringen oder abzuholen? Habe ich Familie in der Nähe, die da unter die Arme greifen um das dann auch gut abschätzen zu können? Okay, was kann ich denn für eine Ausbildung machen? Welche Zeiten stehen mir denn da zur Verfügung? Und habe ich auch Zeit auf eine Prüfung zu lernen beispielsweise? Das kommt ja bei einer Ausbildung auch noch erschwerend hinzu.

 

00:05:47:05 - 00:05:53:15

Luca: Also sich auch damit beschäftigen, was außerhalb so dieser Pflichttermine in Anführungsstrichen passiert, weil das ja auch eine mentale Last, die damit einher geht.

 

00:05:53:15 - 00:05:54:13

Anja: Genau, ja.

 

00:05:55:14 - 00:06:55:17

Anja: Genau das ist ja durchaus auch ein Thema für viele junge Eltern, die in die Ausbildung gehen. Vielleicht auch so ein bisschen die Sorge Wie ist das denn in der Schule? Ich bin da mit vielen anderen Auszubildenden, die vielleicht keine Eltern sind. Die haben einen ganz anderen Lebensstil, unter Umständen. Man selber steht da schon viel mehr im Leben, muss viel mehr Verantwortung tragen.

Kommt man denn damit klar? Auch das Thema Lernen, gerade wenn man vielleicht nicht vor ein paar Monaten die Schule abgeschlossen hat. Vielleicht ist das auch schon das eine oder andere Jahr her. Schaffe ich das denn noch, in der Schule und auch auf Prüfungen zu schreiben, auf diese zu lernen, auch abends dann, wenn man gleichzeitig aber auch irgendwie noch ein Kind ins Bett bringen muss. Das sind ja Situationen, die durchaus ja auch anstrengend sind und das ja sollte man gut im Blick halten und sich auch darauf einstellen, dass diese Phasen kommen.

 

00:06:55:19 - 00:07:13:23

Luca: Welche Rolle spielt denn beispielsweise der Druck, der auch auf jungen Eltern lastet? Also ich meine, es gibt ja immer eine gewisse Erwartung, die man an sich selbst hat. Aber es kommt ja auch von außen, von Familie, Freunden, Umfeld usw., da kommt ja auch einiges auf die Leute zu. Was würdest du sagen, so aus deiner Perspektive heraus?

 

00:07:14:00 - 00:08:31:17

Anja: Ja, ich glaube, der Druck ist schon enorm. Man selber. Wenn man eine Ausbildung startet, möchte man das ja auch schaffen. Das heißt man hat da ganz viele Anforderungen, die an einen herangetreten werden. Man hat den Arbeitgeber, der ja eine gewisse Leistung sehen möchte, oder man möchte das ja häufig auch einbringen und zeigen, man kann was da ist, die Schule, wo, wo ganz viele Herausforderungen sind, das Lernen und natürlich das Kind, das seine Bedürfnisse hat, das herausfordernd sein kann, auch wenn es dann mal krank ist und ähnliche Dinge, die ja durchaus immer wieder vorkommen.

Das sind schon viele Anforderungen, die einen eingestellt werden. Und ich glaube, da sollte man ja auch vielleicht an sich selber sich selber nicht zu sich selber, nicht zu hart sein, gerade wenn es dann darum geht, auch mal eine Prüfung zu schreiben. Das Kind hat vielleicht die ganze Nacht nicht geschlafen. Dann auch zu sagen okay, das wird jetzt vielleicht nicht die beste Prüfung meines Lebens, aber das ist in Ordnung. Das ist nicht entscheidend für die Ausbildung, sondern. Hauptsache, man hat da eher Durchhaltevermögen und muss nicht immer jeden Tag die Topleistung bringen.

 

00:08:31:19 - 00:09:15:03

Luca: Wir haben jetzt erfahren, welcher Druck unter Umständen auf jungen Eltern lastet, die eine Ausbildung absolvieren möchten und wie sie mit diesem Druck umgehen können. Für junge Menschen, egal ob mit oder ohne Kind, gilt ja, dass die Masse an Möglichkeiten bei der Suche nach Job oder Ausbildung echt erschlagen sein kann. Und zuallererst sollte man hier dann einfach auf die eigenen Interessen und Fähigkeiten gucken.

Denn im Idealfall macht dieser Job, wenn man sich darin wiederfindet, auch nach Jahren noch Spaß. Und es ist nicht nur pure Pflichterfüllung. Das ist schon mal eine Hürde, die ich als junger Mensch erst mal nehmen muss. Finden, was mich auch lange erfüllen kann. Aber selbst, wenn man dann was gefunden hat, kann man als junger Mensch mit Kind ja noch mit anderen Stolpersteinen zu kämpfen haben, oder?

 

00:09:15:03 - 00:10:32:17

Melanie: Der zweite Stolperstein könnte sein, dann eben auch gegen vielleicht Vorurteile bei Betrieben. Erst mal angehen zu müssen, weil wir kennen das denke ich mal alle. Das Erste, was einem einfällt, wenn man hört, da hat jemand ein Kind, das dann die Antwort kommt „Oh Gott, das ist ja permanent krank, dann sind sie ja kaum für uns verfügbar.“ Und das sind einfach Vorurteile, mit denen man dann umgehen muss und wo man dann vielleicht auch mal selber schon mit einem guten Beispiel sagen kann, dass muss aber nicht zum Problem werden.

Gerade wenn man vielleicht auch die Familie ein bisschen im Hintergrund hat, kann man dann vielleicht auch im Vorstellungsgespräch beim Betrieb schon direkt locker sagen: „Kein Problem, wenn das Kind krank ist, die Oma springt ein.“ Ja, und der dritte Part könnte dann sein, dass man selbst eben auch erst mal sich in die neue Rolle einfinden muss. Wann hört theoretisch, was alles auf einen zukommt?

Aber wenn es dann praktisch so weit ist, dass die Ausbildung startet, dann ist es schon alles etwas anders und neu und muss dann auch erst mal gelernt werden, sich da einzufinden und in diese neue Rolle auch einzuleben und dann eben mit Kind und Kegel zusammen zu schauen, ja, sich gut zu organisieren und auch gut reinzufinden, dass man eben dann auch alles schaffen kann.

 

00:10:32:22 – 00:10:35:00 

Luca: Welcher Fall aus deiner Beratung ist dir so am meisten gerade in Erinnerung? 

 

00:10:35:40 - 00:12:15:50

Melanie: Also ich hatte da eine Teilnehmerin, ich nenne sie jetzt mal Sarah, die hatte eigentlich eine Ausbildung im Einzelhandel angefangen und ist dann innerhalb der Ausbildung schwanger geworden. Und dann lief es leider eben so, dass der Betrieb dann eben direkt auf Vorurteile hatte und sagte „Na ja, wenn du schwanger bist, dann musst du die Ausbildung ja gar nicht erst zu Ende machen.“

Das kann man ja dann nicht alles zusammen machen.“ Ja, und dann hatte sie eben die Ausbildung abgebrochen und eben ja durch Informationen, die sie ja auch durch Beratungsstellen bekommen hat, hat sie dann eben gemerkt, nachdem ihr Kind jetzt zwei Jahre alt war, dass sie durchaus noch mal mit einer Ausbildung beginnen kann. Ja, und dann hatte sie sich halt informiert und ist dann darüber auch bei uns im TEP-Projekt gelandet und wir konnten dann zusammen schauen.

Sie wollte eben dann auch weiter im Einzelhandel bleiben, wollte eigentlich so an das bisherige anknüpfen und ja, ich habe sie dann unterstützen können, einmal eben so eine feste Kinderbetreuung zu installieren, auch zu schauen, einen Betrieb zu finden, der sich eben dann auch auf veränderte Arbeitszeiten einlassen konnte. Gerade im Einzelhandel, wenn man eben weiß, da gibt es auch lange Arbeitszeiten, da muss man schon auch einen Betrieb finden, der sagt aber wir nehmen da Rücksicht auf die junge Mutter und können dann auch eben sagen, dann sind es halt nicht die Abendschichten, die dann da übernommen werden müssen, sondern dann ist die ja Auszubildende dann eben nur im Vormittagsbereich da.

 

00:12:16:13 - 00:12:34:14

Luca: Also wir sehen, dass das ein Stück weit auch ein Geben und Nehmen sowohl von der Seite der Auszubildenden, die dann ein Stück weit auch Flexibilität beweisen müssen und können und dass das Umfeld unterstützt, aber auch vonseiten der Arbeitgeber, die häufig dann eben Talente und gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bekommen, weil sie sagen, sie geben auch ein Stück Flexibilität zurück.

 

00:12:34:16 - 00:13:05:03

Melanie: Genau. Und da ist es zum Beispiel so aus meiner Erfahrung gerade eben junge Mütter und Väter, die eben gelernt haben, eben die Verantwortung zu übernehmen. Die haben eigentlich genau diese Schlüsselqualifikationen, die die Betriebe gerne hätten Zuverlässigkeit, Sorgfalt, Organisationstalent, Planungssicherheit. 

00:12:55:02 – 00:13:41:02

Luca: Was wir sehen, ist die Lebenswelt junger Eltern. Die kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt unterschiedliche Herausforderungen, je nach Umfeld, je nach persönlicher Situation.

Vielleicht auch, ob man eine Ausbildung schon angefangen hat oder ob das überhaupt erst noch ansteht. Aber gute Nachrichten Es gibt eben auch Hilfen und Unterstützungsangebote. Zum Beispiel gibt es die sogenannte Teilzeit Berufsausbildung. Da ist es so man macht die Ausbildung eben nicht mit 40 Stunden in der Woche oder mit fünf Tagen in der Woche, sondern kann das dann ein Stück umschichten.

Also man macht in der Woche dann weniger für die Ausbildung, aber das bedeutet eben auch, dann etwas länger in diesem Ausbildungsverhältnis zu sein. Anja Stahl wird uns jetzt so ein bisschen erzählen, was denn da vielleicht auch noch so die Hürden beziehungsweise die Besonderheiten sind.

 

00:13:41:04 - 00:14:18:19

Anja: Genau. Also wenn man eine Ausbildung in Teilzeit macht, das ist ja sehr flexibel gestaltbar, wie viel Wochenstunden und an welchen Tagen, das hattest du ja gerade schon gesagt. Das hat zur Folge, dass man dann auch nur ein Teilzeitgehalt bekommt, je nachdem wie viele Stunden oder wie viel Prozent man arbeitet. Und da kann es ja dann natürlich schon auch herausfordernd sein, wie ich denn mein Lebensunterhalt bestreite, wenn ich vielleicht nicht mehr bei meinen Eltern wohnen.

Wie kann ich meine Miete bezahlen? Wie kann ich mein Kind gut versorgen? Essen, also Kleidung, all das, was man ja.

 

00:14:18:21 - 00:14:20:03

Luca: So Dinge des täglichen Bedarfs.

 

00:14:20:04 - 00:14:52:02

Anja: Genau. Und da gibt es durchaus auch finanzielle Unterstützungsleistungen. Es gibt, je nachdem, welche Ausbildung man macht, die Berufsausbildungsbeihilfe oder BAföG. Da lohnt es sich durchaus, mal bei der Agentur für Arbeit vorbeizuschauen, sich beraten zu lassen. Es gibt die allgemeine Berufsberatung für junge Menschen, die auch Verweisberatung machen können, was finanzielle Unterstützungsleistungen betrifft.

 

00:14:52:04 - 00:14:54:05

Luca: Verweisberatung heißt, sie leiten weiter.

 

00:14:54:09 - 00:15:32:23

Anja: Genau richtig. Und es gibt auch in allen Jobcentern oder Arbeitsagenturen die Beauftragten für Chancengleichheit. Das sind Stellen, die speziell dafür verantwortlich sind, die Gleichstellung am Arbeitsmarkt sicherzustellen und die auch ein gutes Netzwerk zum Thema Kinderbetreuung in der Kommune haben. Wenn es da hakt oder andere Fragen, die mit dem Thema Ausbildung und vor allem dann auch Elternschaft zusammenhängen, genau deshalb da vorbeischauen und sich und Beratungsstrukturen durchaus in Anspruch nehmen.

 

00:15:33:00 - 00:15:54:10

Luca: Genau. Denn es kann ja auch durchaus mal ein bisschen komplizierter sein, sich zurechtzufinden zwischen Elterngeld, Kindergeld, Bafög, Berufsausbildungsbeihilfe, TEP usw. Das sind ja alles sehr unterschiedliche Dinge. Wenn man sich damit tagtäglich beschäftigt, dann mag das dann irgendwann verständlich sein. Aber für junge Eltern ist das ja häufig noch nicht das Thema gewesen, mit dem man sich täglich auseinandergesetzt hat.

 

00:15:54:12 - 00:16:40:19

Anja: Genau. Es ist ein bunter Strauß an unterschiedlichen Leistungen, die das dieses da gibt. Es ist auch sehr individuell wie meine Lebenssituation ist, welche Unterstützungsleistungen man in Anspruch nehmen kann. Deshalb, da am besten die Beratungsstrukturen vor Ort nutzen, um da auch möglichst gute Hilfe zu bekommen, wenn es darum geht, welche Anträge muss ich überhaupt stellen, an wen muss ich die stellen?

Weil vielleicht verstehe ich auch nicht alle Fragen in so einem Antrag sofort. Auch da gibt es Unterstützungsangebote, damit man da möglichst gut auch die Leistungen bekommt, die man ja die einem zustehen.

 

00:16:40:21 - 00:17:07:03

Luca: Jetzt hast du Melanie am Anfang erzählt, du machst das sogenannte TEP-Programm schon seit zehn Jahren. Was hat es denn damit auf sich?

 

00:16:46 - 

Melanie: Das TEP-Programm, ausgesprochen ist es „Teilzeit, Berufsausbildung, Einstieg begleiten, Perspektiven öffnen“. Wir haben für die Region Niederrhein 32 Plätze, wo wir über zwölf Monate hinweg dann eben die Teilnehmenden begleiten können, auf ihrem Weg, eine Ausbildung zu finden.

 

00:17:07:05 - 00:17:58:00

Melanie: Und das kann sich halt sehr individuell gestalten. Dass man eben anfängt, überhaupt erst mal Bewerbungsunterlagen fertig zu machen, zu schauen, dass so der der Einstieg gegeben ist, dann bei der Stellensuche zu unterstützen, auch dabei zu unterstützen, Betriebe zu finden, die sich auf das Thema Teilzeit Berufsausbildung einlassen können und dann im nächsten Schritt, wenn man zum Beispiel Glück hatte und eine Ausbildung gefunden hat, dann kann über dieses Projekt eben auch noch in der ersten Zeit der Ausbildung begleitet werden, weil in der Regel da unheimlich viel auf einen einströmt, jeder irgendwie was von einem möchte und dass dann zum Beispiel keine Überforderungen passieren.

Da kann man dann aus dem Projekt uns als Fachleute dann noch mit dabeihaben, die dann schauen, dass die Unterstützung da ist.

 

00:17:59:00 - 00:19:00:00

Luca: Also ein Programm, was schon quasi im Vorfeld mit berät und unterstützt bei der Suche nach einer Ausbildung etc. aber dann auch wenn diese Ausbildung gefunden wurde, weiterhin unterstützt und für die Leute da ist, die gerade in dieser Situation sind.

Ja, was wir daraus also mitnehmen, wenn es dann doch mal komplizierter wird und man nicht ganz so wirklich weiß, welche Ämter sind jetzt zuständig, was für Unterstützung gibt es, dass man sich in diesen Dschungel ein Stück weit ja auch mal Lichter kämpft. Da gibt es zum Beispiel bei der Jugendberufsagentur, die häufig auch vor Ort ist und auch an anderen Stellen, über die wir gerade was erfahren haben, gibt es Möglichkeiten, sich da unterstützen zu lassen.

Und das ist auch eine gute Errungenschaft. Von daher solltet ihr mal in dieser Situation sein, dann nutzt diese Chancen und setzt euch gerne auch mit Hilfsangeboten auseinander. Das hat mir jetzt echt auch Hoffnung gemacht, dieses Gespräch, Denn es ist doch immer gut zu wissen, dass man nicht alleine ist und dass gerade junge Eltern, die in einer herausfordernden Situation sind, Unterstützungsmöglichkeiten haben. Und davon haben wir jetzt ja schon einiges gehört.

 

00:19:01 - 00:19:05

Wir sprechen noch einmal mit Melanie Koll und fragen so zum Abschluss nach, was junge Eltern denn eigentlich motiviert. Trotz dieser Fülle an Herausforderungen Sachen im Kopf, organisatorischen Fragen mit Kind, dann ja auch den ganz üblichen privaten Dingen, die man ja sowieso schon hat. Egal ob mit Kind oder ohne, trotzdem noch diesen beruflichen Weg zu gehen, woraus schöpfen diese jungen Eltern die Kraft?

 

00:19:25:23 - 00:19:55:20

Melanie: Man muss sich mal vor Augen halten, wenn man eben keine Ausbildung in Deutschland macht, dann hängt man immer eigentlich in irgendwelchen schlecht bezahlten Helferjobs fest. Das mag vielleicht für eine kurze Zeit gut funktionieren, um die Familie dann auch finanziell gut unterstützen zu können. Aber wenn man auch wirklich mal darüber nachdenkt, vielleicht Karriere machen zu wollen oder eben sich beruflich dann eben auch so einbringen zu wollen, dass man da auch für sich persönlich sehr viel daraus schöpfen kann.

 

00:19:55:22 - 00:20:20:04

Melanie: Dann macht es immer Sinn, auch eine Ausbildung zu machen, eine Fachkraft zu werden und sich dann eben ja für den Beruf dann auch bestmöglich etablieren zu können …

 

00:20:06:00 – 00:20:08:00

Luca: … also eine Art Investition …

 

00:20:08:00 - 00:20:09:00

Melanie: … in die Zukunft, genau. 

 

00:20:10:00 - 00:20:32:00

Luca: Ich kann mir auch vorstellen, dass wenn junge Eltern sich dann mit der Ausbildung auseinandersetzen, dass das auch noch mal ein Stück Unabhängigkeit, ja vielleicht auch Selbstwirksamkeit gibt.

Oder wenn man das Gefühl hat, man nimmt das eigene Leben, auch die eigene Karriere in die Hand. Das macht man ja eben auch ein stückweit für sich selbst, auch wenn man sonst einen großen Teil des Tages ja auch für in Anführungsstrichen jemand anderen, vielleicht für das Kind auch aufwendet. 

 

00:20:33:00 - 00:21:26:00

Melanie: Ja, für das Kind, denke ich mir, da ist schon der Part der Vorbildfunktion, denke ich mal, so ein wichtiger Punkt. Man möchte ja seinem Kind auch vormachen, ja, wie's heißt, eben in der Gesellschaft dann bestehen zu können. Und man darf auch Arbeit nicht immer nur als reines Mittel zum Geldverdienen sehen, sondern es kann ja auch ein Stück weit sein, ein Ort sein, wo man sich selbst verwirklicht, wo man eben Spaß entwickelt, wo es einem eben auch Freude macht, seinen Beruf auszuüben.

Und das ist eben sehr wichtig heutzutage immer nur Kind und Familie und auf dem Spielplatz die Gespräche mit den anderen Eltern was kann mein Kind schon, Das reicht halt manchmal nicht aus so, manchmal ist es eben auch wichtig in einem Beruf sich dann auch selbst zu verwirklichen. 

 

00:21:26:00 - 00:21:30:00

Luca: Wenn du jetzt jemandem, der zögert, ob er ein Beratungsangebot annehmen soll, noch was sagen müsstest, was wär‘s?

 

00:21:31:00 - 00:22:06:12

Melanie: Letztendlich das es eigentlich immer so ist. Beratung anzunehmen, heißt ja nicht sofort sich auf irgendetwas festzulegen, wo vielleicht bei manchen dann auch die Hemmschwelle ist, warum sie erst so zögerlich mit Beratungsangeboten umgehen. Aber eben sich zu informieren und eben überhaupt erst mal festzustellen, welche Möglichkeiten sich einem noch bieten können. Das ist, glaube ich, der erste wichtige Schritt. Und dann kann man immer noch überlegen, was passt zu mir und wie passt es auch zu meiner persönlichen Situation?

 

00:22:06:16 - 00:22:28:20

Luca: Also man muss sich eben nicht sofort committen, denn man muss nicht sofort dann auch direkt Entscheidungen treffen, sondern man kann sich auch einfach mal einen Überblick verschaffen, sich helfen lassen und entscheiden kann man immer noch selbst.

 

00:22:15 – 00:22:16

Melanie: Genau. 

 

00:22:17 - 00:22:33:19

Luca: Ja, Anja, die individuellen Dinge sind die eine Seite. Die andere Seite ist, was passieren kann, um für junge Eltern ganz grundsätzlich das Umfeld etwas attraktiver zu machen, auch in eine Ausbildung zu gehen. Was wird sich denn so strukturell politisch? Was wird sich da gewünscht? Was muss passieren?

 

00:22:33:21 - 00:24:30:16

Anja: Grundsätzlich glaube ich, braucht es mehr Flexibilität, die Lebenssituation von Menschen, die eine Ausbildung machen oder im Beruf stehen, die sind sehr divers. Und ich glaube, da muss auch das Feld Arbeit darauf reagieren. Und das erfordert dann natürlich auch Arbeitgeber, die da bereit sind, auch flexiblere Wege zu gehen. Ob das jetzt die Arbeitszeiten betrifft oder wie in unserem Fall, wo wir vorhin schon drüber geredet haben, bei einer Ausbildung, die auch in Teilzeit durchführen zu können.

Ich glaube, da braucht es Arbeitgeber, die bereit sind, das Thema Vereinbarkeit, Familie und Beruf mitzudenken. Auch in dem Arbeitsalltag, soweit das möglich ist. Es braucht aber auch gerade im Bereich Ausbildung Berufsschulen, die das mitdenken. Berufsschulen sind da ja manchmal vielleicht noch etwas starrer, als es viele Betriebe mittlerweile sind. Ich glaube, auch da braucht es Perspektiven, die diese unterschiedlichen Lebensrealitäten mitdenken.

Und ja, wir brauchen vielleicht auch gesamtgesellschaftlich Rahmenbedingungen, die das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Ganz groß im Kurs natürlich das Thema Kinderbetreuung. Wir brauchen da auch flexible Möglichkeiten. Kinderbetreuung auch für Menschen. Wir hatten heute nicht explizit darüber gesprochen, aber es gibt ja viele Berufsfelder, die auch im Schichtdienst arbeiten. Wenn wir beispielsweise an die Pflege denken, wo durchaus auch viele junge Menschen ein Interesse haben, eine Ausbildung zu machen.

Aber gerade mit Kind brauche ich dann eben auch flexible Möglichkeiten, die Kinderbetreuung zu stellen, wenn auch wenn das außerhalb der regulären Öffnungszeiten von Kita oder Schule ist.

 

00:24:30:20 - 00:25:40:00

Luca: Also was wir sehen ist, am Ende braucht es eben diese Flexibilität auch von allen. Und das Schöne ist, es gibt mit euch, mit den beiden, mit denen wir heute gesprochen haben, aber auch mit vielen anderen Beraterinnen und Beratern und Institutionen immer auch Möglichkeiten, diese Stellen, also Berufsschulen oder Betriebe gemeinsam zu finden, die für so was bereit sind. Also nicht verzagen und auf jeden Fall weitermachen.

Früh Mutter oder Vater zu werden, bedeutet also nicht das Ende beruflicher Pläne. Mit Programmen wie TEP oder auch Beratung zu anderen Hilfsprogrammen und einer ordentlichen Portion Mut. Da ist es durchaus möglich, Familie und Beruf unter einen Hut zu kriegen und dabei auch neue Seiten an sich selbst und vielleicht auch an seinen beruflichen Möglichkeiten zu entdecken. Wir freuen uns, dass wir dieses Gespräch heute mit Anja Stahl und Melanie Koll führen konnten und freuen uns, wenn ihr auch beim nächsten Mal bei zyndfunken wieder einschaltet.

zyndfunken ist ein Podcast des Bundesinstituts für Berufsbildung und ist gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.